Dienstag, 23. Oktober 2012

"Mein Sprung hat die Menschheit bewegt"

"Mein Sprung hat die Menschheit bewegt"

Felix Baumgartner ist seit seinem Sprung aus der Stratosphäre ein Medienstar (Quelle: dapd)

Extremsportler Felix Baumgartner sprang sich aus 39 Kilometern Höhe ins Guinnessbuch der Rekorde und in die künftigen Geschichtsbücher. In einem Interview beim TV-Sender n-tv erzählt er live aus New York über die Anspannung vor dem Sprung, die bangen Sekunden während seines gefährlichen Flat Spins und die Bedeutung seines Sprungs für die Menschheit. Über Geld mag er allerdings nicht reden: So ein "Abenteuer hat kein Preisschild".

Mit etwa 1340 Kilometern pro Stunde raste Baumgartner am 14. Oktober aus der Stratosphäre in Richtung Erde. Er durchbrach als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer und knackte zwei weitere Weltrekorde: den höchsten Fallschirmsprung und den höchsten Ballonflug.

Für Angst hatte er keine Zeit. "Ich befand mich in allerhöchster Anspannung und wusste ganz genau, worauf ich mich eingelassen hatte". Die Zeit vor dem Sprung war sehr anstrengend. "Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, musste dann um zwei Uhr nachts zur ärztlichen Kontrolle, anschließend mehrere Stunden reinen Sauerstoff einatmen und schließlich sehr lange in der Kapsel auf den Start warten. Du gehst schon mit einem relativ niedrigen Energieniveau an die Sache ran. Wenn du aus der Kapsel springst, bist du schon sehr geschwächt - und dann geht es eigentlich erst los".
"Du hast ungefähr 50 Sekunden, das Problem zu lösen"

Kurz nach dem Sprung gerät Baumgartner ins Trudeln, glaubt kurzzeitig, das Bewusstsein zu verlieren. Schmerzen hatte er dabei keine, "aber sehr viel Blut im Kopf und einen extremen Druck. Das ist nicht angenehm und extrem gefährlich." Weiter erzählt er: "Du hast ungefähr 50 Sekunden Zeit, dich zu stabilisieren und das Problem zu lösen, das habe ich gemacht." Angst um sein Leben hatte er nicht, nur um seinen Weltrekord."Es ist vorbei und ich lebe noch"

Bei einem TV-Auftritt in der Today Show des US-Senders NBC am Montag wurde Baumgartner gefragt, ob sein Sprung denn Spaß gemacht habe: "Um ehrlich zu sein: Nein! Es war harte Arbeit. Erst später, als sich mein Schirm öffnete, freute ich mich, weil ich wusste: Es ist vorbei und ich lebe noch."

Angst vor Nachahmern quält Felix Baumgartner nicht. Gestern war bekannt geworden, dass gleich zwei ältere Herren seinen Rekordsprung toppen wollen. Sowohl der französische Fallschirmspringer Michel Fournier als auch der britische Milliardär Richard Branson wollen nach Medienberichten noch höher hinaus, um noch tiefer fallen zu können.

Baumgartner reagiert darauf gelassen. Er habe das Gefühl, es handle sich bei Branson lediglich um Trittbrettfahrerei mit einem völlig absurden Ziel. Der geplante Sprung sei absolut unmöglich, vollkommen lächerlich. Fournier habe seinen Versuch ja praktisch schon selbst aufgegeben, der tue ihm sehr leid.
"Ich kann das nicht mehr toppen"

Die Frage, ob er den Entschluss bereits bereue, seine Extremsportlerkarriere beendet zu haben, verneinte der 43-Jährige kategorisch. "Ich kann das nicht mehr toppen. Ich habe in meinem Leben viele riskante Sprünge gewagt und mich immer an meinen eigenen Grenzen bewegt. Jetzt ist es Zeit aufzuhören."

Freizeit hat Baumgartner dennoch keine. Der Medienrummel um ihn will einfach nicht abreißen. Autogrammjäger umlagern ihn, Bodyguards sorgen für seine Sicherheit, ein Medientermin jagt den nächsten. Kein Wunder findet er selbst. Sein Sprung habe die Menschheit bewegt - wie 1969 die Mondlandung. Besonders Jugendlichen, die damals noch nicht geboren waren, habe er das Gefühl von damals vermitteln können. Sein Sprung habe vielen Menschen sehr viel Freude bereitet.

Neuer Stuttgarter OB Kuhn gegen Schwarz-Grün

Neuer Stuttgarter OB Kuhn gegen Schwarz-Grün

Nach seinem Wahlerfolg hat sich der neue Stuttgarter Grünen-Oberbürgermeister Fritz Kuhn gegen eine Annäherung seiner Partei an die Union gewandt. (Quelle: dpa)

Berlin/Stuttgart (dpa) - Nach seinem Wahlerfolg hat sich der neue Stuttgarter Grünen-Oberbürgermeister Fritz Kuhn gegen eine Annäherung seiner Partei an die Union gewandt.

"Wieso soll ich jetzt mehr Schwarz wagen?", sagte er am Dienstag bei seinem Empfang durch die Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin. "Das hat keinen gesteigerten Sinn."

Der Sieg des Grünen-Realos wird auch auf Kuhns Ausstrahlung bis weit in die Mitte der Gesellschaft zurückgeführt. Die Grünen in Baden-Württemberg haben auch traditionell wenig Berührungsängste zur CDU. Im Bund hatten zuletzt die Parteilinken Oberwasser. Dementsprechend sind die Grünen auch strikt für eine rot-grüne Koalition nach der kommenden Bundestagswahl.

Kuhn betonte nun, während SPD-Chef Sigmar Gabriel ihm gratuliert habe, habe er von der CDU nichts gehört. Sein Erfolg sei auch einem überwiegend leisen Wahlkampf geschuldet. "Inhalte haben gegen Sprüche gewonnen."

Nach Ansicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kann seine Partei bundesweit einiges von den Grünen im Südwesten lernen. "Wir führen ein Land. Jetzt führen wir auch die Landeshauptstadt", sagte Kretschmann in Stuttgart. "Offensichtlich machen wir einiges richtig." Konkret wurde er nicht.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin gab im Kurznachrichtendienst Twitter den Hinweis: "Fritz Kuhn sagt oft: 'Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben' und nicht 'Mit schwarzen Ideen grüne Zahlen versauen'." Er sagte: "Grüne Ideen, aber besser noch grüne Wertvorstellungen, sind mittlerweile nicht nur in den Großstädten dieses Landes hegemonial."

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer vom Realo-Flügel der Grünen rief Widerspruch in seiner Partei hervor mit seiner Warnung, die Grünen dürften bei der Aufstellung der baden-württembergischen Grünen-Liste für die Bundestagswahl Anfang Dezember nicht auf Kandidaten des Linken-Flügels setzen. Hier wollen die Abgeordnete Kerstin Andreae und Parteichef Cem Özdemir vom Realoflügel ebenso auf die vorderen Plätze kommen wie die Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und Gerhard Schick vom Linken-Flügel.

Parteichefin Claudia Roth hatte vor einer neuen Flügeldebatte gewarnt.

Streit um Koalitionsprojekte: FDP gibt sich kämpferisch

Streit um Koalitionsprojekte: FDP gibt sich kämpferisch

FDP-Chef Philipp Rösler geht nicht davon aus, dass die schwarz-gelbe Koalition am Streit um das Betreuungsgeld zerbricht. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Knapp zwei Wochen vor dem Koalitionsgipfel ringen Union und FDP weiter um eine Einigung über das Betreuungsgeld und die weiteren geplanten Zusatzleistungen. Die Freien Demokraten pochen unverändert auf eine klare Gegenfinanzierung.

Zusätzliche teure Leistungen wie die Großelternzeit oder die beitragsfinanzierte Zuschussrente stellten ansonsten das Ziel der Haushaltskonsolidierung infrage, betonte der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler am Dienstag in Berlin. Kritik aus der Unionsführung an seiner Haltung wies der Bundeswirtschaftsminister zurück. Neue Sozialleistungen bekämen immer Beifall, die Frage nach der Bezahlung sei immer unbequem.

Auch Generalsekretär Patrick Döring bekräftigte die FDP-Vorbehalte gegen das Betreuungsgeld, signalisierte zugleich aber Kompromissbereitschaft. "Zumindest sollten wir keine neue Leistung einführen, wo es am Ende zu einer Erhöhung der Neuverschuldung kommt", sagte er im Deutschlandfunk.

Die CSU zeigte sich bereit, FDP-Forderungen nach einer Bildungskomponente zu prüfen. Dazu warte man aber noch auf einen konkreten Vorschlag, sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt.

Union und FDP hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, für jedes neu geborene Kind ein Konto mit einem Startguthaben von 150 Euro einzurichten. Regelmäßige private Einzahlungen bis zur Volljährigkeit sollen danach mit einer staatlichen Prämie unterstützt werden. Mit dem angesparten Geld soll später eine Ausbildung oder ein Studium ermöglicht werden. Nach Vorstellungen in der FDP könnte dieses Modell die von der CSU bislang geforderte Barauszahlung für die Kinderbetreuung zu Hause ersetzen.

Hasselfeldt wies darauf hin, dass im Etatentwurf für 2013 bereits 300 Millionen Euro für das Betreuungsgeld eingeplant sind. "Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, hier eine Gegenfinanzierung zu suchen", betonte sie.

Unions-Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer rechnet mit einem Kompromiss beim Koalitionstreffen am 4. November. Er zeigte Verständnis dafür, dass die FDP derzeit mit dem Säbel rasselt. Die Vorschläge der Liberalen seien aber unklar und teilweise der Union auch nicht bekannt.

Mehr Männer in Pflegeberufen, aber immer noch die Minderheit

Mehr Männer in Pflegeberufen, aber immer noch die Minderheit

Pfleger werden - immer mehr junge Leute entscheiden sich für diesen Beruf. (Quelle: dpa)

Wiesbaden (dpa) - Pflegeberufe werden für Männer attraktiver, aber noch immer ist dieser Beruf fest in weiblicher Hand. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der männlichen Ausbildungsanfänger in Pflegeberufen deutlich erhöht - und zwar um satte 69 Prozent.

Dennoch waren auch 2011 nur 21 Prozent der Berufsanfänger männlich, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt haben im vergangenen Jahr rund 52 500 Jugendliche eine Berufsausbildung in einem Pflegeberuf begonnen. Von ihnen waren 41 300 Frauen, aber nur 11 300 Männer. Zu den Pflegeberufen zählen die Statistiker Ausbildungen als Kranken-, und Altenpfleger sowie die kürzeren Ausbildungen zum Pflegehelfer.


Bayern fordert nachträgliche Sicherungsverwahrung

Bayern fordert nachträgliche Sicherungsverwahrung

Die nachträgliche Sicherungsverwahrung für Schwerverbrecher ist weiter umstritten. (Quelle: dpa)

Stuttgart/München (dpa) - Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) will nach wie vor auch die nachträgliche Sicherungsverwahrung für Schwerverbrecher ermöglichen. Dies fehle ihr in dem geplanten Bundesgesetz, sagte Merk. Den Bundestag forderte sie auf, hier nachzubessern.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ist gegen eine gesetzliche Verankerung, da es juristisch äußerst umstritten ist, die Sicherungsverwahrung nachträglich, also weit nach einem Urteil, zu verhängen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss die Sicherungsverwahrung bis Mai 2013 komplett neu geregelt werden.

Baden-Württembergs Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) hatte erklärt, man sei im Südwesten schon weit mit der Reform. Er hatte aber mehr Tempo beim Erlass des Bundesgesetzes gefordert. Merk erklärte, beim Bundesgesetz gehe Qualität vor Schnelligkeit. Auch Bayern sei bei der Sicherungsverwahrung gut im Zeitplan.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Stuttgart wählt neuen Oberbürgermeister - Kuhn oder Turner?


Stuttgart wählt neuen Oberbürgermeister - Kuhn oder Turner?

Fritz Kuhn, der Kandidat von Bündnis90/Die Grünen für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl, im Wahlkampf.

Stuttgart (dpa) - In Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart hat die zweite Runde der Oberbürgermeisterwahl begonnen. Um 8.00 Uhr wurden die Wahllokale geöffnet. Rund 415 000 Bürger sind zur Stimmabgabe aufgerufen.

Als Favorit nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen geht der Grünen-Politiker Fritz Kuhn ins Rennen. Er lag mit 36,5 Prozent der Stimmen zwei Prozentpunkte vor dem parteilosen Sebastian Turner, den CDU, FDP und Freie Wähler unterstützen. Insgesamt treten neun Kandidaten an, die SPD stellt keinen eigenen Bewerber. Im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit für den Sieg.



SPD nominiert Ude als Spitzenkandidaten


SPD nominiert Ude als Spitzenkandidaten

Die bayerische SPD kürt den Münchner Oberbürgermeister  Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September 2013. (Quelle: dpa)

Nürnberg (dpa) - Die bayerische SPD kürt heute (Sonntag/10.30) den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September 2013. Es wird große Zustimmung der 300 Delegierten beim Landesparteitag in Nürnberg erwartet.

Als Zeichen der Unterstützung von Udes Kandidatur reist auch SPD-Chef Sigmar Gabriel an.

In der letzten Meinungsumfrage für Bayern lag ein potenzielles Dreierbündnis von SPD, Grünen und Freien Wählern mit 38 Prozent weit hinter der CSU, die derzeit 48 Prozent erzielen würde. Ude verbreitet aber ungebrochen Optimismus.

Die CSU hatte ihren Parteitag am Samstag beendet. Parteichef Horst Seehofer will den Beginn der Wahlauseinandersetzung mit Ude so weit wie möglich hinauszögern und sich erst im Sommer 2013 zum CSU-Spitzenkandidaten nominieren lassen.